Jeder von uns hat wohl schon öfters mal den Begriff Multiple Sklerose gehört. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff? Welche Auswirkungen hat diese Krankheit und wie wirkt sie sich auf das Leben der Betroffenen aus?
Die Multiple Sklerose, auch MS genannt, ist eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems, die ganz unterschiedlich verlaufen kann und meist im frühen Erwachsenenalter beginnt. Sie wird von den Ärzten auch Enzephalomyelitis disseminata - kurz ED - genannt. Übersetzt heißt dies: eine im Gehirn und Rückenmark verstreut auftretende Entzündung.
Das Gehirn kann man sich als eine Art Schaltzentrale vorstellen. Von dort aus werden Signale über das Rückenmark zum Körper gesendet und auch empfangen. Geleitet werde die Signale durch Nervenfasern, die von einer Art Schutzschicht umgeben sind. Die Wirksamkeit dieser Schutzschicht kann durch eine Entzündung eingeschränkt werden. Dadurch werden die Signale nicht mehr so übertragen, wie es eigentlich sein sollte. Der Betroffene merkt das z. B., wenn er vermehrt stolpert oder Einschränkungen beim Sehen hat.
Wenn solche Entzündungen - eine einzelne oder mehrere - auftreten und körperliche Störungen und Ausfälle bewirken, spricht man von einem Schub. Ein Schub entwickelt sich innerhalb von Stunden oder Tagen und klingt nach einiger Zeit wieder ab. Es ist möglich, dass nach einem solchen Schub die normalen Funktionen wieder eintreten. Das entzündete Nervengewebe kann aber auch vernarben, was man auch als Sklerosieren bezeichnet. Ausgelöst werden kann ein solcher Schub z. B. durch Stress, durch Überbelastung oder nervliche Anspannung.
Die oben erwähnten Einschränkungen sind aber nicht die einzigen, die mit MS einhergehen können. Die meisten Anfangsbeschwerden können auch durch andere Krankheiten verursacht werden. Doch aufgrund neuerer Untersuchungsverfahren ist es in den letzten Jahren leichter geworden, Multiple Sklerose festzustellen. Zu Beginn steht meistens eine neurologische Untersuchung, in deren Zusammenhang auch der Sehnerv untersucht wird. Andere Erkrankungen des Nervensystems können durch eine Computertomographie ausgeschlossen werden. Auch eine Kernspintomographie ist bei der Diagnose hilfreich.
Doch mit ausreichender Sicherheit lässt sich Multiple Sklerose nur durch die Untersuchung des Nervenwassers, in dem bestimmte Eiweißkörper auf diese besondere Form der Entzündung des Nervensystems hinweisen. Doch nur wenn mehrere Untersuchungen und Untersuchungsformen auf Multiple Sklerose hindeuten, kann davon ausgegangen werden, dass diese Krankheit vorliegt. Und eine solche Diagnose kann manchmal mehrere Jahre dauern.
Die Ursache, warum jemand an Multipler Sklerose erkrankt, ist noch nicht geklärt. Man geht aber davon aus, dass es mehrere Ursachen gibt, durch deren Zusammentreffen es dann zu der Erkrankung kommt. Dabei spielt das Immunsystem eine wesentliche Rolle. Dieses Abwehrsystem des Körpers schützt uns vor Krankheitserregern, indem es sie unschädlich macht, wenn sie in den Körper eindringen. Dieser Mechanismus kann sich aber auch gegen den eigenen gesunden Körper richten. Es werden Antikörper gebildet, die die Schädigungen und Störungen an der Schutzhülle der Nervenfasern verursachen.
Doch welche Symptome können bei dieser chronischen Erkrankung auftreten? Vorweg ist festzuhalten, dass es viele verschiedene Ausprägungen und Auswirkungen von Multipler Sklerose gibt. Deshalb sind folgende Schilderungen auch nur Beispiele von möglichen Einschränkungen.
Bei rund einem Drittel der Erkrankten äußert sich die MS erstmals in Form von Gefühlsstörungen. Diese sind meist asymmetrisch angeordnet, z. B. an einer Hand, einem Bein oder fleckförmig am Rumpf. Sie äußern sich als Taubheitsgefühl, als Kribbeln oder Missempfindung, ähnlich wie kleine Stromschläge. Häufig wird auch über Sehstörungen geklagt. Diese äußern sich als Nebel- und Schleiersehen bis hin zu vorübergehender, vor allem einseitiger, manchmal aber auch beidseitiger Erblindung. Es kann eine Minderung der Sehschärfe bestehen bleiben, die durch eine Brille nicht zu korrigieren ist. Sehstörungen können auch durch die Wahrnehmung von Doppelbildern ausgelöst werden. Mit einer solchen Sehstörung können auch Schwindelgefühle einhergehen, die zu Fallneigungen oder auch Brechreiz als Ausdruck einer Schädigung des Gleichgewichtssinns führen können.
Über das Maß der Gesamtbehinderung entscheiden vor allem die Störungen der Motorik. Diese betreffen sowohl die Muskelkraft als auch die Muskelspannung. Bei leichten Symptomen werden die Beine nach längerem Gehen schwerer, kleben am Boden, die Bewegungen werden langsamer und schnelle Bewegungen fallen schwerer. Treppensteigen kann mühselig werden. Bei deutlicherer Symptomatik werden die Beine zunehmend steifer und schwächer, eventuell wird ein Bein nachgezogen, Unebenheiten am Boden werden zu Stolperfallen. Die Muskeln ermüden vorzeitig. Schwäche und Steifigkeit, der Arzt nennt dies Spastik, können kurzzeitig unter Belastung zunehmen. Die Spastik ist allerdings auch von äußeren Faktoren wie Stress, Witterung und Schmerzen abhängig.
Wenn Nervenfasern im Kleinhirn betroffen sind, kann es zu Koordinationsstörungen kommen. Der oder die Betroffene hat Schwierigkeiten, gezielte Bewegungen auszuführen: zum Beispiel eine Tasse zum Mund führen. Das dabei auftretende Zittern kann unter Umständen jede geplante Bewegung unmöglich machen. Die Koordinationsstörungen können in gleicher Weise beim Sitzen, Stehen oder Gehen auftreten. Der unsichere Gang bei MS-Patienten wird von Außenstehenden, die von der Erkrankung nichts wissen, oft mit dem Gang eines Betrunkenen verwechselt. Auch das Sprechen kann gestört sein. Die Sprache ist dann abgehackt und manchmal tonlos.
Auch Blasenfunktionsstörungen treten häufig auf. Häufiger Harndrang ist die Folge. Im Spätstadium der MS ist unter Umständen die Kontrolle über die Blasenfunktion vollständig aufgehoben, oder die Entleerung verläuft verzögert und es bleiben größere Restharnmengen in der Blase zurück. Sie sind der Grund für häufigere Blasenentzündungen.
Eine weitere wichtige Einschränkung ist die Störung der Leistungsfähigkeit wie z. B. Ausdauer oder Kraft. Bedingt ist das auch durch die bei bis zu 70 % der MS-Patienten auftretende rasche Ermüdbarkeit. Selbst kleinste Anstrengungen führen zu Erschöpfungszuständen.
Häufig treten auch depressive Verstimmungen auf. Diese werden meistens bedingt durch die veränderte Lebenssituation, durch die Einschränkungen, die ein Erkrankter hinnehmen muss. Vielfach kommen zu den sichtbaren Einschränkungen auch noch starke Schmerzen hinzu, die das Leben der Betroffenen zusätzlich beeinträchtigen. Aber auch die Reaktionen der Umwelt haben ihren Anteil daran. So werden z. B. oft abfällige Bemerkungen über die Gehstörungen oder die Einschränkungen der Motorik gemacht. Menschen, die mit an MS Erkrankten Kontakt haben, befürchten, sich anzustecken.
Doch MS ist keine ansteckende Krankheit, aber es ist auch keine heilbare Krankheit. Lediglich durch verschiedene Medikamente ist es teilweise möglich, die so genannten Schübe zu verhindern oder abzuschwächen und auch Auswirkungen wie Ataxien oder Blasenschwäche für die Betroffenen erträglicher zu machen.
Autor: : root -- 5.9.2006 11:38:02
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